Ist die “Ausbildung” out?

Das Abitur liegt im Trend
Die weiterführende Schule, die Kinder nach ihrer Grundschulzeit besuchen, ist immer häufiger das Gymnasium. Dieses Jahr werden 47,6% der Viertklässler in Essen auf ein Gymnasium wechseln. Die Hauptschulen hingegen erhalten immer weniger Anmeldungen und werden zum Teil geschlossen. [1] Das bedeutet auch, dass die Zahl der Abiturienten in Zukunft weiter steigen wird. Das Abitur wird zum „Durchschnittsabschluss“, die „Mittlere Reife“ wird zunehmend an den Rand gedrängt. Prinzipiell mag dies bis zu dieser Stelle eine für unsere Gesellschaft gute Entwicklung sein. Denn gut gebildete junge Menschen stellen eine wichtige Ressource für Deutschland und eine Demokratie dar. Außerdem können ebendiese Menschen mit dem Abitur im Gepäck, aus dem Pool aller möglichen beruflichen Wege frei wählen. Kein Weg ist ihnen aufgrund eines zu niedrigen Schulabschlusses verbaut.

Die Fähigkeiten der Schüler geraten aus dem Fokus
Es ist aber nicht anzunehmen, dass die Gymnasien nur deswegen immer beliebter werden, weil sich die Fähigkeiten der Schüler zunehmend in diese Richtung entwickeln (z. B. weil Kinder immer intelligenter werden), sondern weil sowohl Eltern als auch die Schüler selbst gewisse Erwartungen haben, denen die Schüler gerecht werden müssen. Das Abitur ist häufig nur die Brücke zum Studium, welches wiederum häufig eine finanzielle und soziale Absicherung darstellt. Das eigene Kind soll studieren, unabhängig von den jeweiligen Fähigkeiten. Das Kind selbst wächst in einer solchen Gesellschaft auf, und weiß zu häufig, dass die Entscheidung zwischen Studium und Ausbildung auch auf ganz anderen Faktoren basiert, als auf den persönlichen Vorlieben. Der Schulabschluss wird mehr zu einer Frage des Prestiges, genau wie der daran anknüpfende berufliche Werdegang. Die klassische Ausbildung gehört dem Proletariat. Sie wird zur zweiten Wahl, immer dann, wenn ein Studium nicht möglich ist.

Thomas Max Müller / pixelio.de
Thomas Max Müller / pixelio.de

Die Vorteile der Ausbildung geraten aus dem Blick
Es ist falsch, anzunehmen, dass eine Ausbildung anspruchslos sei und keine Perspektiven biete. Zudem ist für viele junge Menschen die praktische Arbeit mit theoretischen Anteilen viel attraktiver als ein rein theoretisches Studium, und die Ausbildung bietet in der Regel genau das. Der Lehrling erlernt während der Ausbildung das, was hinterher im beruflichen Alltag auch erfordert wird, während Absolventen einer Universität erst einmal gründlich eingearbeitet werden müssen. Wer Ausbildung und Studium kombinieren möchte, kann heutzutage die „Duale Ausbildung“ wählen, und ist damit sowohl theoretisch als auch praktisch gut ausgebildet. Die ausbildenden Arbeitgeber werden dies wertschätzen und dem Ausgebildeten entsprechend langfristige Aussichten in ihren Unternehmen bieten.

Die Politik muss ihre Hausaufgaben machen
Ein gewichtiges Argument gegen eine Ausbildung ist dennoch, dass Ausbildungsberufe nicht selten schlecht entlohnt werden. Auch wenn finanzielle Aussichten nicht allein ausschlaggebend für die Wahl des Berufes sein sollten, lässt sich nicht von der Hand weisen, dass eine Fachkraft im Schnitt eine ganze Familie schlechter versorgen kann als ein Absolvent der Universität mit Aufstiegschancen. Aber auch längst nicht alle Studienabschlüsse führen zwangsweise zu gut bezahlten Berufen. Die steigende Anzahl der Absolventen wird möglicherweise dazu führen, dass der Arbeitsmarkt gesättigt ist. Und viele Fachkräfte haben durchaus Chancen auf eine sehr gut bezahlte Arbeitsstelle. So berichtete die WAZ: “Ein bislang unveröffentlichtes Gutachten des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) […] zeigt, dass 28 Prozent der Meister oder Techniker einen höheren Stundenlohn haben als Durchschnittsakademiker.” [2] Politik und Wirtschaft müssen dafür Sorge tragen, dass letztlich jeder Beruf angemessen entlohnt wird, ganz gleich, ob er von einer Fachkraft oder einem Akademiker ausgeübt wird. |von Can Keke

 


[1] http://www.derwesten.de/staedte/essen/fast-jeder-zweite-viertklaessler-in-essen-geht-aufs-gymnasium-id11584569.html
[2] http://www.derwesten.de/wirtschaft/karriere-und-ein-hohes-gehalt-gibt-es-auch-ohne-studium-id11816082.html

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