Vieraugengespräch Zum Thema Keiner entkommt dem Altern

Keiner entkommt dem Altern

Guenter Havlena alte Menschen

Fast 34 Millionen Menschen in Deutschland sind 50 Jahre oder älter.[1] Wir sind daher – in der Innenstadt, in Supermärkten oder in Vereinen – täglich mit dem Älterwerden konfrontiert. Doch wie gut kommen wir mit unserem eigenen Alterungsprozess zurecht?
Mit dem Altern verbinden wir oftmals keine positiven Attribute. Wir werden unattraktiver, anfälliger für Krankheiten, unbeweglicher und häufig auch unfähig, den Alltag selbstständig zu meistern. Am Ende dieser Entwicklung steht unweigerlich der Tod. Kein Wunder also, dass wir auf das Altern in der Regel nicht so gut zu sprechen sind.
Dank moderner Medizin werden Menschen heutzutage älter als je zuvor und können meistens noch jenseits der 60 ein aktives vitales Leben führen. Die negativen Symptome des Alters konnten wir also bereits erfolgreich um viele Jahre nach hinten verschieben. Mithilfe von Cremes, Haartönungen, Botox und OPs können wir auch die sichtbaren Alterserscheinungen eine Weile überdecken. Diese Möglichkeiten werden mittlerweile massiv genutzt. Wir wollen auch im Alter noch attraktiv, erotisch und frisch wirken – um bzw. weil wir uns noch so fühlen (wollen). Die Zahl derer, die ihren natürlichen Alterungsprozess offen zeigt, sinkt.

©Günter Havlena/pixelio.de

©Günter Havlena/pixelio.de

Offenbar kommen wir mit der simplen biologischen Wahrheit, dass unsere körperlichen und geistigen Eigenschaften im Laufe der Zeit abbauen und irgendwann zum Erliegen kommen, nicht zurecht. Möglicherweise erinnert sie uns an unsere Unvollkommenheit – eine Eigenschaft, die in Zeiten von Selbstoptimierung, Effizienzsteigerung und Leistungsfähigkeit ein schmerzhaftes Element zu sein scheint, das nicht in unser Weltbild passt. Wir wollen uns selbstverwirklichen. Die Symptome des Alterns – egal ob bei anderen oder bei uns selbst – stören dabei. Der Alterungsprozess als lästiges Hindernis auf dem Weg zur Perfektion und Selbstverwirklichung. So ist es u. a. zu erklären, warum wir Angehörige zunehmend in Altersheime abgeschieben und all die Mittelchen gegen das eigene Altern konsumieren. Die Mühen und Konsequenzen, die unser voranschreitendes Leben mit sich bringen, möchte kaum jemand mehr auf sich nehmen und tragen. Verständlich ist das, denn diese Mühen und Konsequenzen sind selten angenehm.
Doch letztendlich sind alle Versuche, dem Alter und schließlich dem Tod zu entfliehen, zum Scheitern verurteilt. Angesichts dieser für viele Menschen bitteren Wahrheit, sollten wir uns fragen, ob all unser Streben nach ewiger (oder möglichst langer) Jugend ein würdevoller Umgang mit unserem eigenen Leben ist. Altern wir in Würde, wenn wir versuchen, vor einem unaufhaltsamen biologischen Prozess davonzulaufen? Oder ist dieses Verhalten sogar klug, weil wir aus unserer begrenzten Lebenszeit das Beste herauszuholen versuchen? Wo lässt sich die Grenze ziehen, zwischen diesem Versuch und der Akzeptanz, dass wir nicht mehr mit den neuen Generationen mithalten können?|von Stefan Seefeldt

Darüber sprechen Stefan und Can in der nächsten Folge des Vieraugengesprächs mit dem Titel „Altern wir in Würde?“. Ab dem 10. April ab 12 Uhr gibt es diese Folge als Podcast hier auf der Homepage und bei iTunes. Um 19:04 Uhr wird die Folge zudem auf Radio 91.2 gesendet.

Wir sind an eurer Meinung dazu interessiert. Bitte schreibt uns eure Gedanken hier als Kommentar.
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[1] https://ergebnisse.zensus2011.de/auswertungsdb/download?pdf=00&tableId=0&locale=DE&gmdblt=1 [Abgerufen am 20.03.2016]

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